Hochzeitscrasher auf Flores

Flores, eine der kleinen Sundainseln und für uns der Ort, an dem uns Mister Yani in das echte lokale Leben mitnahm.

In Labuan Bajo angekommen spuckte uns der Schleichweg durch die Hinterhöfe der Einheimischen mitten auf die staubigen Hauptstraße aus, wo uns im Trubel fast der Schlag traf. Asiatische Stadt halt: Wellblechhütten, Warungs, Autos und Mopeds, stetiges Hupen, Menschen, Staub, verschiedenste Gerüche und Schweißarbeiten auf engstem Raum. Zum Ankommen setzten wir uns an den Straßenrand und gönnten uns ein kühles Bintang. Danach sah die Welt schon ganz anders aus und wir Labuan Bajo ganz entspannt.

Wie wir Mister Yani trafen

Wir nutzten den ersten Stopp als Sprungbrett in den Komodo Nationalpark. Unsere Zeit verbrachten wir demnach mit Relaxen und Reisevorbereitungen. Neben leckeren Flores Kaffee erkundeten wir den Ort, organisierten uns ein Boot für den Komodotrip und eine Unterkunft für die Nacht am Rückkehrtag. Auf der Suche nach besagter Unterkunft liefen wir recht weit in alle erdenklichen Richtungen, als wir Livemusik hörten. Während ich der Meinung war, wir hätten für heute genug Meter gemacht, überzeugte Andrej mich, dass wir unbedingt noch einen Blick auf die Sänger werfen müssten. So gingen wir auch noch das Stück der Musik entgegen und schauten vorsichtig um die Ecke. Während auf der Bühne gerade die Proben liefen, bauten fleißige Helferlein das Büfett und die Stuhlreihen vor der Bühne auf. Noch während wir uns fragten, was hier wohl veranstaltet wird, kam einer der Locals auf uns zu und stellte sich als Mister Yani vor.

Zwei Bier später hatten wir in Erfahrung gebracht, dass wir mitten in die Hochzeitsvorbereitungen gestolpert waren und bevor wir es richtig verstanden hatten, hatten wir die Einladung für die Hochzeit am Abend auch schon angenommen.

Wie wir Hochzeitscrasher waren

Wir wurden zu unserer Unterkunft gefahren und hatten nun Zeit, um planlos nach etwas Anziehbaren in unserem Rucksack zu schauen. Pünktlich nach einer Stunde fuhr Mister Yani vor und holte uns ab.

Andrej hatte seine beste Outdoorhose an, während ich ein Lidl-Kleid aus dem Rucksack zauberte. Dieses Kleid hatte ich nur dabei, weil es nicht so schade gewesen wäre, wenn ich es hätte in Indonesien lassen müssen. Die Hochzeitscrasher hatten Flipflops an und waren damit bereit für den Abend.

Als wir das Zelt betraten, war die Hochzeit in vollem Gange. Vor versammelter Mannschaft und unter den Blicken aller Anwesenden betraten wir im feinen Zwirn gemeinsam mit Mister Yani die Bühne, auf der das Brautpaar inklusive Familie saß. Im besten Indonesich gratulierten wir händeschüttelnd und verbeugend jedem Familienmitglied und übergaben unseren kleinen Umschlag in die Gabenstelle. Anschließend wurden wir in einer der ersten Reihen platziert und natürlich auch zum Büfett gebeten.

Wie bunte Hunde versuchten wir uns ganz dezent zu verhalten, was außerordentlich gut funktioniert hat, bis Mister Yani seinen Song für „Diane & Andrej from Germany“ sang. Zu Gast waren wir natürlich auch bei den traditionellen Tänzen auf der Tanzfläche, umjubelt von den Hochzeitsgästen aller Religionen.

Es war ein sensationeller Abend und es war ein unbeschreibliches Erlebnis. Für uns war es wunderschön dort ein Teil dieser Hochzeitsgemeinschaft sein zu dürfen.

Vom Hochzeitscrasher zum Hausgast

Mit der Hochzeitseinladung erwischten wir einen tollen Start in unsere Reise. Den Komodotrip traten wir demnach mit etwas Schlafdefizit und müden Beinen vom Tanzen an. Die Füße taten uns aber nicht weh, wir hatten ja immerhin bequemes Schuhwerk an. Was wir aber zusätzlich noch dabei hatten war eine Einladung von Mister Yani nach Ruteng.

Das ist das Gute an losen Reiseplänen: Man kann sie unterwegs noch flexibel gestalten. Während wir also die Tage im Komodo Nationalpark in vollen Zügen genossen, entschieden wir, die Einladung anzunehmen und in Ruteng einen kurzen Zwischenstopp einzulegen.

Wir wurden von Mister Yani freudestrahlend in Empfang genommen. Er konnte es kaum abwarten uns seine Heimat zu zeigen. Damit wir so richtig durchstarten konnten, stellten wir zunächst unsere Rucksäcke bei einem Freund ab und lernten so auch unseren Gastgeber kennen.

Zu Gast bei den Caci Kämpfern

Mister Yani führte uns in eine kleine Arena wo die Caci Kämpfer bereits aktiv waren. Als wir den Platz betraten, waren wir von jetzt auf gleich das Highlight und für einen kurzen Moment kehrte Ruhe ein. Ausnahmslos jeder schaute uns an und wir wurden zum Platznehmen eingeladen. Die Caci Kämpfer waren in traditionelle Bekleidung gehüllt und es sah wunderbar bunt aus. Farbige Sarongs und Tücher wurden über weißen Hosen getragen. Glockengürtel hingen locker um den Hüften, die Köpfe waren geschmückt und teilweise mit Federn verziert. Die Kämpfer trugen Schild und Peitschen und wenn sie nicht kämpften, dann tanzten sie und schafften damit eine Atmosphäre, die uns positiv erstarren ließ.

Wir schauten fasziniert zu und wir staunten. Die Männer trafen sich immer wieder zu den Zweikämpfen auf dem Platz, während die anderen mit Tanzbewegungen die Glocken klingen ließen. Wenn sich die Kämpfer annäherten, stieg die Spannung. Durch das Trommeln und Singen der Frauen wurde das mehr und mehr verstärkt. Wir hatten Gänsehaut und waren voller Respekt vor so viel Tradition.

Im Wolkenschloss und beim Nelken puhlen

Wir zogen irgendwann weiter und besuchten hier und da die Spots von Ruteng: Wir schauten hinab auf die besonderen Spiderweb-Reisfelder, genossen Aussichten, besuchten eine Höhle und waren in der Abenddämmerung zu Gast in einem traditionellem Dorf. Während wir dort das Gefühl hatten in einem Wolkenschloss zu sein, fühlten wir uns an den Spots immer wieder pudelwohl und wurden herzlich aufgenommen. Diese Geste war es auch, die uns letztendlich zu unheimlich glücklichen Reisenden gemacht hat. Neben den tollen Spots waren wir immer wieder bei den Locals zu Gast: Es wurde gemeinsam gegessen, gesungen, Arak getrunken, Kaffee genossen oder Nelken gepuhlt. Die Einheimischen haben uns berührt und ohne zu zögern die Tür zu ihrer Welt für uns geöffnet.

Radiozeit und Songs in der Nacht

Als wäre das alles noch nicht genug gewesen, bekamen wir ein wenig Radiozeit am Abend im lokalen Sender. Da wir tagsüber den Bupati kennengelernt hatten und er uns von einem Müllprojekt erzählt hat, haben wir dieses kurzerhand unterstützt. Die Rückmeldungen waren überwältigend. Nach all diesen wundervollen Erlebnissen wollten wir den Tag bei einem Bier ausklingen lassen. Ganz in Ruhe, gibt es aber irgendwie nicht, wenn einen die Gemeinschaft erst ins Herz geschlossen hat. In einer Bar saß ein junger Mann am Keyboard und stellte sein Mikrofon jedem zur Verfügung.

Die Wahrheit ist: Diese Menschen dort haben Stimmen gemacht aus Arak und Nelkenzigaretten gepaart mit so viel Talent. Als sie alle zusammen für uns Halleluja sangen, hat es mich einfach überwältigt.

Mister Yani verdanken wir ganz besondere Momente auf Flores. Glücklich sind wir, die Einladung bekommen und angenommen zu haben. Obwohl schon einige Zeit seit unserer Reise vergangen ist, denken wir oft und gern an diese Erlebnisse zurück. Wir genießen sie noch heute und schmunzeln gemeinsam mit Yani über die Hochzeitsgäste in Flipflops.